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Bamboo Rods, also Angelruten aus Bambus, der Kenner nennt sie übrigens liebevoll "Gespliesste", halten viele Angler für antiquiert. Stand da nicht noch so ein Erbstück Opas auf dem Dachboden?

Wer sich ein Bisschen näher mit dem Material und der Geschichte der Fischereigeräte auseinandersetzt, stösst unweigerlich auf die Gespliessten und deren faszinierende Bauart. Bis ca. 1960 waren Angelruten fast ausnahmslos aus gespliesstem Tonkin, einer chinesischen Bambusart gebaut. Und schon da verfügte diese Machart über eine hundertjährige Geschichte - unser Grossvater wusste also Qualität durchaus zu schätzen!

Nachdem die Gespliessten aufgrund der Materialknappheit von Bambus durch den kalten Krieg, wie aber auch durch das damalige Ersatzmaterial Kunstfaser doch langsam ersetzt wurden, gewannen sie ca. Mitte der siebziger Jahre wieder an Boden. Nicht etwa nur bei den ewig "Unverbesserlichen" unter uns, nein, sogar Angler die sich noch nie mit solchem Angelgerät auseinandergesetzt hatten, erkannten dessen Wert: Das Wissen fortan mit einer auserlesenen, womöglich in Handarbeit und Kleinstserie gebauten Angelgerte fischen zu dürfen, das warme Material in den Händen, die sensitive Aktion beim Drill eines Fisches zu spüren, die Fittings aus hochwertigen Metallegierungen, Rollenhalter aus erlesenen Hölzern zu wissen - das alles liess die Gespliessten fast über Nacht - insbesondere bei den Fluganglern - wieder in die "erste Reihe" aufsteigen.

Sicher, die Preise für solch auserlesenes Fischereigerät wurden eher höher und liegen heute mindestens auf dem Niveau einer hochpreisigen Kohlenfasergerte. Doch nicht nur der Preis stieg an, nein auch die Zahl jener, die solches Gerät bewusst angeln wollen steigt doch stetig. Seit ca. Mitte der achtziger Jahre auch in deutschsprachigen Landen und fast jedes Land der EU beherbergt heute eine Handvoll Meister in dieser Art von Rutenbau.

Die Schweiz ist mitten in diesem Europa, ein kleines aber nicht unbekanntes Land, nicht zuletzt aufgrund der qualitativ hochstehenden Produkte, die die Wirtschaft dieses Landes zustande bringen zu vermag. Qualität aus der Schweiz hat allgemein einen besonderen Stellenwert, ist quasi schon zu einer "Marke" geworden. Uhren, Textilmaschinen und noch vieles mehr, wird im Ausland unweigerlich und gerne mit der Schweiz in Verbindung gebracht.

Wussten Sie, dass auch die Schweiz eine Tradition in der klassischen Herstellung von "Gespliessten" hat? Namen wie " Schreck" und "Bühler" waren zeugen von Altmeistern im klassichen Rutenbau. Mit dem beruflichen Rückzug dieser Meister, verschwanden leider auch deren Angelgeräte. Pezon & Michel, Orvis, Hardy und wie sie alle heissen, waren die logischen Nachfolger, die schlussendlich auch hierzulande mit unpersönlichem Angelgerät aus Kunstfaser den Markt überschwemmten.

Doch seit rund 10 Jahren regt sich auch hier ein kleiner "Widerstand". Ca. 1994 begann ich nach einer Lernphase im Mutterland der Gespliessten den USA, meine Laufbahn als Rutenbauer von Gespliessten in der Schweiz. Heute bin ich mit meinen Gerten und meinem Namen recht gut in der hiesigen Szene eingeführt und man trifft wieder vermehrt Angler mit "Schweizer Gespliessten" am Wasser. Mein Wissen im Rutenbau musste ich mir noch im Ausland erarbeiten, damals pflegte in Europa noch fast jeder Rutenbauer Geheimnisse um das alte Handwerk zu machen. Vom "Saulus zum Paulus" geworden, konnte ich dem damals üblichen Verhalten entgegenwirken, indem ich erste Rutenbaukurse für Gespliesste in der Schweiz anbot, welche zudem heute vermehrt auch von Interessenten aus der BRD und Oesterreich besucht werden.

Aus ehemaligen und hoffentlich noch vielen kommenden Schülern aus diesen Kursen, ist wieder eine kleine Schweizer Rutenbauszene am Entstehen, welche nun auch aufs Internet drängt. Dank Rolf Frischknechts Initiative - einem im In- und Ausland bekannten Fliegenfischer und nun selber Rutenbauer - ist ein kleines Online-Informationsportal zum Thema "Gespliesste aus der Schweiz" am entstehen. Hier soll der Interessierte zahlreiche Infos zum Thema, in die Materie Rutenbau, aber auch zu einem Schweizer Rutenbauer seiner Wahl finden. Ich bin mir sicher, dass auch gerade mit dem Medium Internet, in der Schweiz künftig noch mehr Interessierte diesem faszinierenden Angelgerät die angebrachte Aufmerksamkeit schenken werden.

Wie wir Rutenbauer uns untereinander grüssen, so wünsche auch ich Ihnen "gut Span". Wer weiss, ob wir uns danach als Rutenbauer an einem Fachtreffen, oder natürlich als Angler am Wasser treffen werden, - sicher werden es ein paar Leute mehr sein, die magisches Angelgerät zuletzt verbunden hat.

Herzliche Grüsse aus der Rutenbau-Werkstatt

Stefan Grau
Swiss Rodmaker