Das Handwerk

Wie eine Gespliesste entsteht

Experten sind sich nicht ganz einig, wer die hexagonale Gespliesste nun erfunden hat, man nimmt an ein Amerikaner namens Murphy, so etwa um 1865.
Es gibt aber auch Quellen, die die hexagonale Gespliesste den Engländern zuschreiben, jedenfalls baute Hardy bald nach Murphy ebenfalls eine Gespliesste aus sechs Spleissen. Sicher gilt, dass ein Amerikaner namens Leonard mit hexagonalen Gespliessten den Markt eroberte und die ersten sochen Gerten in grösserer Menge herstellte und vertrieb.

Wie dem auch sei, Gespliesste sind seit diesem Zeitpunkt noch immer im Gebrauch. Deren Herstellung hat sich im Grossen und Ganzen nur unwesentlich verändert. Natürlich werden heute bessere Lacke und Leime verwendet, was heutige Gespliesste gegenüber den antiken Gerten qualitativ sehr hochstehend macht.

Anbei eine Kurz-Beschreibung, wie eine Gespliesste hergestellt wird:

Die Verarbeitung:

Tonkin ist ein Bambus (lat. Arundinaria amabilis), seit Jahren eigentlich der neben "Madake" und "Calcutta" einzig verwendbare und bewährte Rohstoff für eine Gespliesste. Tonkin weist unter der Rinde eine sehr grosse Anzahl von Kraftfibern auf, und hat relativ wenig Knoten, resp. diese Knoten-Ringe sind in mehr oder weniger grossen Abständen auf dem Rohr zu finden.
Die ersten Gespliessten baute man aus Calcutta-Cane, einer anderen und heute nur noch sporadisch verwendeten Bambusart aus Indien. Der chinesische Tonkin wird nun seit ca. 1915 verwendet.

Für den Rutenbauer muss das Rohr folgende Attribute aufweisen: Grosse Abstände dieser Knotenringe, möglichst keine Flecken oder Frassstellen v. Insekten, hohe Anzahl dieser Kraftfibern.
Wir prüfen die Rohre nebst diesen Merkmalen auch auf deren Feuchtigkeit (je weniger je besser) und dass sie möglichst lange trocken gelagert wurden.
 Spalten  
Das Bambusrohr wird nun von Hand mittels einer speziellen Vorrichtung in gleichmässige Streifen gespalten - diese Arbeit kann man auch mit Messer und Hammer bewerkstelligen.

Diese Streifen - die Spliesse oder Spleisse - halbieren oder dritteln wir nochmals der Länge nach - auch hier von Hand.
Es gibt Hersteller, die das Rohr der Länge nach auffräsen. Das geht schneller und folglich auch günstiger, jedoch wurde erwiesen, dass dabei oft wervolle Kraftfibern /Kapillaren im Innern des Rohres einfach zersägt werden - und das wirkt sich später besonders gerade in der Rutenspitze meist negativ auf deren Elastizität aus.

Folgende Grafik zeigt den Verlauf des Messers beim Spalten von Hand (blau) und die eines Sägeblattes einer Fräse (rot):

 Wir spalten von Hand- hier sehen Sie warum  
Das Zersägen des Bambusrohrs wurde und wird leider von "bekannten" Rutenbau-Firmen wie Pezon et Michel, Patridge, Milwards, Orvis etc. angewendet. Der Laie erkennt recht einfach, ob das Spalten von Hand angewendet wurde, oder ob der Bambus gefräst ist: Betrachten Sie den Blank am oberen Ende des Handteils oder der Spitze, hier sieht man die Kraftfibern an der Spleissoberfläche auslaufen, der Verlauf folgt also nicht gerade dem Blank nach.
Fragen Sie den Rutenbauer oder Verkäufer bei Ihrem nächsten Kauf einer Gespliessten, ob die Gerte von Hand gespalten oder gefräst wurde! Achten sie auf diese Qualitätskriterien.

Wir spalten von Hand, denn unseren Kunden sind wir Qualität schuldig!


Vorhobeln der Spleisse   
Jeder einzelne Spleiss wird zunächst vorgehobelt und dann in einer speziellen Hobelform die eine konisch zulaufende 60 Grad Kerbe besitzt, von Hand in die endgültig konisch zulaufende, sich verjüngende Form gehobelt. Einen solchen Spleiss können wir dabei von Hand (!) bis ca. 0.40 mm Durchmesser hobeln - was aber selten nötig ist. Das entsprechend gewünschte Taper wird zuvor an der verstellbaren Hobelform (klaffende Scherenform) eingestellt.
 
  Alles ist bereit zum Hobeln

Jeweils sechs solche Spliesse werden unter Druck für eine bestimmte Zeit im Spezialofen, bei einer Temperatur um ca. 120 bis 250 Grad. - je nach der später gewünschten Aktion aber auch Farbe, denn die Spliesse scheiden nun Restfeuchtigkeit aus und verfärben sich dunkler.
Die Spliesse werden wieder auseinander genommen und nun wieder unter Druck miteinander verklebt und ruhen nun für einige Tage bei rund 30 Grad. Danach wird die Blankoberfläche von Hand geschliffen. Nochmals gelangt der Blank in den Ofen und wird bei niedriger Temperatur "nachgebrannt", danach gelangt er direkt in eine Tauchbad-Lackierung, oder wird je nach Kundenwunsch weiterbehandelt (z.B. geölt).

Nach frühestens 2 Wochen Trockenzeit wird der Blank verhülst und Ringe, der Rollenhalter, Griff etc. angebracht und nochmals nachlackiert. Nach ca. 6-8 Wochen, gelangt eine solche Rute zum schon sehnlichst darauf wartenden Angler.

Folgende Merkmale zeichnen eine Swiss Bamboo Rods Gespliesste aus:
  • Blanks aus hochwertigem, gelagertem Tonkin
  • Die Bambusrohre werden von Hand gespalten und von Hand gehobelt
  • Mehrfachlackierung im Tauchbad
  • Hülsen wahlweise vernickelt, aus Nickelsilber, Messing oder anderen Metallen.
  • Von Hand gefertigte und nach Wunsch auf IHRE Hand angepasste Korkgriffe oder gespleisste Griffe
  • akkurat gewickelte Seiden- oder Nylonbindungen, auf Wunsch mit speziellem Design
  • Hochwertige Ringe aus diversen Metalllegierungen, z.B. Titannitrit, Titanium- Carbit, hartverchromt oder brüniert
  • Rollenhalter aus Metall oder einheimischen Edelhölzern
  • zeitgemässe Klebstoffe und Lacke
  • Garantie auf Verarbeitungsfehler; Reparaturservice

Nicht minder wichtig: Viele Rutenbauer nehmen irgend ein Rutentaper (Blankmass) aus der klassischen Literatur, z.B. von "Garrison". Dort besagt z.B. ein Taper, dass die Gerte für eine Schnurklasse 5 sei, und einige Rutenbauer kopieren dieses Taper "ungeprüft" und geben die Gerte so an den Angler weiter. Leider wird dabei wenig beachtet, dass zur Zeit Garrisons meist Seidenschnüre für die Gerten verwendet wurde, welche sich aber doch wesentlich von den heute gebräuchlichen Kunsstoffschnüren unterscheiden - anderer Durchmesser, anderes Gewicht, Material etc.

(Schon geachtet? Achten Sie bei einer antiken Gerte auf die viel kleineren Ringdurchmesser, als bei heutigen Gerten üblich, dies rührt vom damaligen Gebrauch von Seidenschnüren her. Die damaligen Ringe waren zudem um Einiges dünner und leichter, auch so entspricht eine Aktion einer nachgebauten, aber mit modernen Fittings versehenen Gerte, nie dem Vorbild ).
So ist eine kopierte "Garrison" schnell für eine Klasse 6 statt 5 ausgelegt. Unseren Gerten - auch wenn wir eine solche ab klassischem Vorbild für Sie "kopieren", liegen immer selbst gebaute Prototypen zugrunde, bei welchen wir schnell die tatsächliche Schnurklasse und den Einsatzzweck für hiesige Gewässer erkennen und dies an Sie weitergeben.

Und - jede Rute wird vor der Auslieferung an Sie von uns gefischt und geprüft!

Einen kleinen Querschnitt durch unser Angebot finden Sie hier

Noch Fragen zu Gespliessten?

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